Das Interview mit…

…den Gesichtern Mallorcas. Über ihre Geschichte, ihre Kultur, ihre Projekte.

PEP LEMON. Das ist eine nachhaltig produzierte lokale Limonade, hergestellt auf Mallorca. Ich war bereits vor Jahren einmal bei einer Abfüllung in Petra dabei und habe die Entwicklung von PEP LEMON beobachten können. Die Produktion wurde eingestellt. Ist jetzt alles vorbei?

KM: „Christoph, was passiert gerade bei PEP LEMON?“

PL: „PEP LEMON macht eine Kreativpause. Wir müssen einige Lösungen für die Bereiche Produktion und Vertrieb finden. Unser ehemaliger Vertrieb Bordoy hat verkauft an DAMM, in deren Konzept wir nicht passten. Auch die Abfüllung muss neu durchdacht werden. Viele Abfüllanlagen auf Mallorca schliessen. Aber unser Konzept ist die lokale Produktion.“

KM: „Ihr seid lokal. Und das zu 100 %.“

PL: „Ja, wir haben damit auf Mallorca sicher eine Vorreiterrolle erfüllt und als Vorbild agiert. In den letzten 4 Jahren ist die Marke und ihr philosophischer Aspekt sehr gut angenommen worden.“

KM: „Was genau macht ihr, um lokal zu sein?“

PL: „Wir verwenden für unsere Limonade ausschließlich Zitronen und Orangen aus Mallorca. Noch dazu ist dies ein Überschuss an Früchten, der anders gar nicht verwertet werden würde. Von November bis April ist Erntezeit. Gleichzeitig gibt es wenige Besucher auf der Insel. Die Früchte, die nicht hübsch genug für den Verkauf sind, werden entsorgt. Wir nutzen genau diesen Überschuss mithilfe einer Agrarkooperative. Vom Baum in die Limonadenflasche.“

KM: „War das euer Beweggrund, PEP LEMON zu kreieren?“

PL: „Wir haben schon verschiedene Projekte gemacht. Die Idee zu PEP LEMON kam uns, als wir in Hamburg waren und für die Kinder eine Fanta bestellen wollten. Man sagte uns, es gebe keine Fanta, sondern nur die „lokale Brause“. Das fanden wir gut. Gleichzeitig erinnerten wir uns an einen Bericht der Diario de Mallorca, in dem genau über die oben genannte Verschwendung von Zitrusfrüchten berichtet wurde.“

KM: „Lokale Produktion. Natürliche Zutaten. Das entspricht dem Zeitgeist. Man müsste meinen, ihr erreicht damit viele Verbraucher kinderleicht. Ist das so?“

PL: „Auf Mallorca ist das oft schwierig. Kunden im Tourismus zu erreichen ist zum Beispiel nicht leicht. Da wird oft getrunken, was angeboten wird und sichtbar ist: Die großen Marken. Ein anderer Sektor ist der Edel-Bereich. Aber die trinken nicht unbedingt Limonade – wegen dem Zucker. Unsere Limonade wurde einmal abgelehnt, weil das Geschäft nur auf zuckerfreie Produkte setzt. Aber Agavensirup ist auch Zucker, nur in einer anderen Form. Zudem wird ein Getränk des Ladens aus Neuseeland importiert. Aber das interessiert dann niemanden. Oft zählt bei Trendprodukten etwas anderes – nicht, ob sie wirklich ökologisch und lokal hergestellt werden.“

KM: „Und wäre der Markt in Deutschland für euch nicht eine Option, um mehr Kunden zu erreichen?“

PL: „Da kommen wir genau zu dem Punkt zurück. Dort wäre PEP LEMON auch nicht lokal produziert. Nein, wir wollen fertiggestellte Getränke nicht exportieren. Wir haben Interesse daran, mit anderen Kooperativen vor Ort ähnliche Konzepte zu entwickeln, um so die lokale Produktion überall zu stärken.“

KM: „Das macht Sinn und so konsequent sind sicher nicht viele. Dennoch oder gerade deshalb ist es sicher nicht leicht, sich gegen die großen Marken zu behaupten. Wie ist der Prozess gegen Pepsi ausgegangen? Sie hatten euch verklagt wegen der Namensähnlichkeit zu PEP COLA.“

PL: „Wir haben letztendlich einfach die Buchstaben herumgedreht. Jeder liest aber nach wie vor PEP. Der Prozess ging bis zum Obersten Gerichtshof. Diese Marken machen es einem unmöglich zu wachsen. Es gibt ein Prestige-Marken-Gesetz, das extra dafür entwickelt wurde, diese Konzernmarken zu schützen. Die Verfahren werden so weit geführt, das kann sich kaum ein „Kleiner“ leisten und verliert automatisch. Überhaupt merkt man den Einfluss an allen Ecken. Der Markt wird beherrscht. Wenn man heute einen Aufsteller seines Produkts aufstellt, steht morgen der einer großen Marke da. Eigentlich gibt es nur drei Möglichkeiten: Man ist die große Marke. Man verkauft an die große Marke. Oder man verliert.“

KM: „Es ist erschreckend. Und da fragt man sich, warum nicht viel mehr lokal produziert wird. Scheint fast, als wäre der Schritt zurück zur lokalen Produktion unmöglich, weil er von einigen wenigen nicht gewollt ist. Wie geht es weiter mit PEP LEMON?“

PL: „Am 15.12.2018 finden wir uns zu einer Gesellschafterversammlung zusammen. Bis dahin müssen die erwähnten Punkte zu Produktion und Vertrieb geklärt sein.“

KM: „Viele Fans der Limonade drücken euch die Daumen, dass es kreative Lösungen geben wird. Denn ich kenne niemanden, dem PEP LEMON nicht schmeckt und der nicht daran interessiert ist, dass es diese tolle Marke weiterhin geben wird. Ich danke dir für unser Gespräch.“

Pep Lemon
Vom Baum in die Flasche.
Pep Lemon
Kooperative.

Die coole Bodega Santa Clara – über Uta Gritschke, Weine, Kunst und Wildpflanzen.

Was früher die Sa Sifoneria war, ist heute die Bodega Santa Clara. Auch mit neuem Namen ist sie noch genauso cool und einzigartig wie eh und je. Was Uta neben dem leckeren Wein noch so zu bieten hat, erfahrt ihr im Interview.

Sa Sifoneria d’es casc antic – darunter findet man die Bodega Santa Clara bei Facebook. Uta Gritschke findet man vor Ort: In der Calle Santa Clara 4, in der Altstadt von Palma, Dienstag – Samstag, von 18:00-21:00 Uhr. Sie postet auf Mallorquín und unterhält sich mit ihren Gästen und Besuchern genauso gerne auf der Inselsprache wie mit anderen auf ihrer Muttersprache Deutsch. Schon vor vielen Jahren ist sie als Kulturwissenschaftlerin und Kunstgeschichtlerin aus Berlin mit ihrem mallorquinischen Freund auf die Insel gekommen. Heute betreibt sie selbst die Bodega Santa Clara mit dem Wein von Can Novell.

Die Videoleinwand spielt Filme der 50er Jahre mit Drehort Mallorca, ein Plattenspieler sorgt für das passende Ambiente vergangener Zeiten. Es ist immer eine Freude, bei der Bodega vorbeizuschauen. Man plauscht mit Stammgästen, man trinkt ein Glas lokalen Wein oder Wermut, zu sehr moderaten Preisen, und lässt sich im Anschluss noch ein Fläschchen für den häuslichen Genuss abfüllen. Man sitzt auf Plastikkisten und staunt immer wieder über kleine Details, die man hier entdecken kann.

KM: „Der Wein von der Bodega Can Novell ist lecker und nicht überteuert. Erzähle uns etwas über die Bodega.“

Uta: „Die Bodega ist in Binissalem und ein typisches Familienunternehmen. Sie produzieren selbst und stellen einen traditionellen, lokalen Wein her. Man kann die Produktion vor Ort beobachten. Aber es geht etwas anders zu als bei anderen aufgehübschten Bodegas: Das ist Rock ’n Roll.“

KM: „Und die Leute mögen Euren Wein. Wer kommt denn so in die Bodega Santa Clara?“

Uta: „Ja, der Wein kommt gut an. Wir haben viele unterschiedliche Kunden und Gäste, Deutsche aber auch Mallorquiner. Sie trinken ein Gläschen oder kaufen Wein zum Kochen oder als Tischwein für Zuhause. Wohlhabenderes Publikum betrachtet unsere Weinpreise manchmal mit einer Mischung aus Verwunderung und Amüsement. Aber sie lassen sich schnell von der Qualität des Weins überzeugen. Man muss sich nur hineintrauen – und das sollte man – jeder ist herzlich Willkommen!

KM: „Neben Deiner Arbeit in der Bodega warst Du als Galeristin offizielles Mitglied der Galeristenvereinigung AIGAB und hast auch die Räumlichkeiten der Bodega für Deine Galerie „intersecció art“ genutzt.“

Uta: „Das stimmt. Ich habe 6 Jahre lang Ausstellungen hiesiger Künstler organisiert und kenne daher alle und jeden in der Szene. Dann war aber eine Zeit lang nicht mehr der richtige Moment für diese Kunst auf der Insel. Einige meiner Kolleginnen sind zu namenhaften Galerien gegangen, aber das konnte ich mir für mich nicht vorstellen. Einmal ist es mir sogar passiert, dass ein Mann vor einem der ausgestellten Objekte stand und es mit den Worten fotografierte: „Das zeige ich meiner Frau, dann macht sie das.“

KM: „Wird es jetzt keine Ausstellungen mehr in der Bodega Santa Clara geben?“

Uta: „Doch, ich werde die Ausstellungstätigkeit wieder aufnehmen und habe ein Ausstellungsangebot einer meiner Künstler angenommen. Ein Maler aus Berlin, Peter Fleischer Harkort. So wird man bald wieder in die Hinterzimmer der Bodega gehen und gute Gegenwartskunst sehen können.“

KM: „Darauf freuen wir uns! Mit Deinen Weinen bist Du nicht nur in der Bodega sondern jetzt auch auf dem Wochenmarkt in Santa Catalina…“

Uta: „Ich bin recht neu auf dem Markt und ich liebe es! Alle sind sehr freundlich und mit dem Käsestand von gegenüber verstehe ich mich besonders gut. Ich bin auf dem Markt von Dienstag bis Samstag, von 10:00 – 14:00 Uhr. Es ist eine gute Ergänzung zu der Bodega am Abend.“

KM: „Du bist sehr vielseitig, und das ist noch nicht alles. Welches Projekt verfolgst Du noch?“

Uta: „Ich widme mich den essbaren Wildkräutern, die es auf der Insel gibt. Ich mache das sehr gerne und ich interessiere mich für die Natur. Schon als Kind hat mir meine Mutter viel über essbare Wildpflanzen beigebracht und wir haben sie gesammelt und später verarbeitet. Als ich nach Mallorca kam, habe ich diese Touren mit meinem damaligen Freund zusammen gemacht. Ich kenne einige gute Plätze, wo man auf nur einem Feld bis zu 20 Pflanzen finden kann. Danach lasse ich mir Rezepte einfallen, um die Kräuter in der Küche zu verwenden.“

KM: „Du bietest auch Führungen an, die man buchen kann?“

Uta: „Ja, wir treffen uns in kleinen Gruppen und ich zeige und erkläre die essbaren Pflanzen.“

KM: „Das ist toll und passt perfekt in unsere Zeit. Viele interessieren sich ja – zum Glück- wieder für die natürliche Ernährung und für das Wissen der Natur.“

Deshalb freuen wir uns und sind stolz, Uta als neue Gastautorin ihrer Rubrik „EAT WILDER“ beim Kulturblog Mallorca an Bord zu haben. Kräuter-Interessierte können sich gerne an den Kulturblog wenden und erhalten den Kontakt der lieben Uta, um sich für eine Tour anzumelden.

 

 

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Uta Gritschke

 

 

Vielen Dank an Uta Gritschke, das war ein schönes und leckeres 😉 Interview. Wir kommen bald mal wieder vorbei – auf ein Gläschen Wein!