Errol Flynn

„At seventy I confidently hope I will have had at least eight more wives, have grown a stomach that I can regard with respect, and still walk upstairs to the bedroom without aching or groaning.“

Bereits ein Jahr ist seit der Veröffentlichung vergangen, doch auf dem Kulturblog Mallorca fehlt unter anderem noch der Beitrag „In Like Flynn“.

Auszug des Yachting Handbook 2017 von Estela Shipping Palma.

Hier geht es zum Artikel „In Like Flynn“

Errol Flynn pic

 

Wir stellen vor…

… unseren Gastautor für Geschichte und Politik: Gregory C.Y.

Gregory C.Y.
Gregory C.Y. Geschichte und Politik.

„Ach, dich habe ich doch schon einmal gesehen. Das war an einem Dienstag. 2005. Im Oktober.“ – Das ist Gregory. Sein Gedächtnis und sein Vermögen, sich an Zahlen und Fakten zu erinnern, ermöglichen es ihm, fast beiläufig die gesamte Historie und ihre geschichtlichen und politischen Zusammenhänge zu analysieren und zu begreifen. Er ist Autor verschiedener historischer Reiseführer für den PastFinder Verlag und veröffentlicht seit knapp 10 Jahren diverse Beiträge über die mallorquinische Geschichte. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund und konfrontiert seine Leser mit einer Wahrheit hinter der hübschen Kulisse. In kleinen Anekdoten erzählt er auf seinem Blog Mallorca Zeitgeschichten und jetzt auch auf dem Kulturblog Mallorca für den Leser interessante und spannende Kurzgeschichten.

Bayó’s Expedition

Heute vor 82 Jahren..

Im Osten des mallorquinischen Eilands tobt der Kampf um die militärische Vorherrschaft zwischen republikanischen Truppen und Anhängern des Putschisten – Generalissimo Francisco Franco Bahamonde.

Mit dem Coup des 17.07.1936, schliessen sich Mallorcas Militärgouvernement, Klerus, Inseladel und nicht zuletzt der Bankier Juan Ordinas March, dem Aufstand gegen die legitime Regierung in Madrid an.

Aufgrund Mallorcas strategischer Bedeutung landet eine republikanische Expedition am 16. August, von Menorca ausgehend, an den Stränden von Porto Christo und Sa Coma. Angeführt von Capitán Bayó gelangen die regierungstreuen Truppenteile bis nach Manacor. Die vom italienischen Duce Mussolini gesandte Luftunterstützung für die frankistische Seite, die Koordinierung des bereits kampferprobten Inselregiments gegen die zahlenmäßig überlegenen, aber unorganisierten republikanischen Verbände, halten ihren weiteren Vormarsch auf. Der Minister der Armada in Madrid, Indalecio Prieto, ordnet den Rückzug an. In der Nacht des 4. auf den 5. September werden schliesslich über 4.000 Soldaten und Material unter chaotischen Umständen auf den Kreuzern Jaime I. und Libertad evakuiert. Über 200 republikanischen Soldaten gelingt die Flucht nicht. Sie werden umgehend exekutiert und am Strand von Sa Coma auf Scheiterhaufen verbrannt. Für die militärische Niederlage wird in Folge Bayó zur Rechenschaft gezogen.

Viele Jahre später sollte er, als militärischer Berater, an der Seite von Fidel Castro und Che Guevara, siegreich an der kubanischen Revolution teilnehmen.

So wurde aus dem spanischen Verlierer, ein kubanischer Held. Er verstarb 1967 in Havanna im Rang eines Generals.

Es Vellmarí – Die Mönchsrobbe

Das Ende der Piraterie im 19. Jahrhundert läutet auch das Ende der mallorquinischen Robbenkolonien ein. Der Fischfang wird zu einem florierenden Wirtschaftszweig.

Im April vor 60 Jahren: in der Cala Tuent wird die wahrscheinlich letzte Mönchsrobbe Mallorcas (Monachus monachus) von der Guardia Civil erlegt. Die seegängigen Säugetiere bevölkern einst die gesamten kontinentalen Küsten und Inseln des Mittelmeeres als Bestandteil eines ausgewogenen Ökosystems. Dieses Gleichgewicht kippt mit der räumlichen Ausbreitung eines weiteren Raubtieres: dem Menschen. Bereits Homer, Plutarch und Aristoteles erwähnen die Robbe in ihren antiken Schriften. Fell, Fett und Fleisch sind sehr begehrt und das Tier ist aufgrund seines zutraulichen Wesens leicht zu erlegen. Der Untergang des römischen Reiches im 5. Jahrhundert wendet zunächst ihre frühe Vernichtung im westlichen Mittelmeer ab. An Mallorcas Küsten schrecken Pirateneinfälle über Jahrhunderte die menschliche Besiedlung ab. Die Robben hingegen nutzen diese Küsten ungestört als natürliche Brutplätze und ihre Kolonien gedeihen. Das Ende der Piraterie im 19. Jahrhundert läutet auch das Ende der mallorquinischen Robbenkolonien ein. Fischer besiedeln vermehrt die Küsten und der Fischfang wird zu einem florierenden Wirtschaftszweig. Dabei wird die, ausschliesslich Fisch und Mollusken fressende, Mönchsrobbe ein erbitterter Feind der Fischer: sie entwendet den leichten Fang und zerreisst dabei die Fischernetze. Die Menschen in jener Zeit begreifen die Robbe als Plage, die es auszurotten gilt. Erzherzog Ludwig Salvator beschreibt 1870 ihre Nachstellung durch die Insulaner:

„Befassen wir uns mit der Robbenjagd. Normalerweise trifft man zwei, vier oder fünf Mönchsrobben, die eine ganz Zeit im Wasser schwimmen und spielen, bis eine von ihnen auf den Strand robbt, in diesem Moment feuert der Jäger. Manchmal stirbt das Tier auf der Stelle, zuweilen jedoch kann es sich ins Meer retten; der Jäger muß daher darauf vorbereitet sein und den Eingang zur Höhle mit einem festen Netz verschließen (…) die Robbe erhebt ihren Körper aus dem Wasser und in diesem Moment schießt der Jäger erneut auf sie (…). Auch fängt man die Mönchsrobbe mit einem kräftigen Haken, der an einem widerstandsfähigen Strick befestigt ist.“

An der nordafrikanischen Küste und in der griechischen Ägäis überdauern bis heute noch einige Kolonien. Auf den Balearen zählt der „Vellmarí“ zu den ausgestorbenen Arten.

Alle Mönchsrobben…? Im Jahr 2008 sichtet ein Taucher ein Exemplar bei El Toro im Südwesten Mallorcas. Allerdings nehmen die Meeresbiologen an, dass es sich um einen eingewanderten afrikanischen Artgenossen handelt.

Bahía de Palma – Elke Sommer

Erstmals gewährt die bisher rigide spanische Zensur so viel nackte Haut im Lichtspielhaus.

Heute vor 54 jahren: Seit dem 4. September 1962 zeigt man in Mallorcas Sala Astoria „Bahía de Palma“. Eine spanische Filmproduktion mit Elke Sommer. Die „Sauerkraut-Bardot“ wird eigentlich als Elke Schletz 1940 in Berlin geboren und avanciert in den 1960ern zu einem deutschen Exportschlager. Ihr Sex-Appeal steht im Gegensatz zu ihrer weithin skandalfreien Karriere.

In Spanien ist sie als „la Chica del Bikini“ bekannt.

Erstmals gewährt die bisher rigide spanische Zensur so viel nackte Haut im Lichtspielhaus. Vielen Spaniern ist diese Zeit als die Ära „las Suecas“ ein Begriff: der Tourismus brachte dem verarmten und erzkatholischen Spanien nicht nur Devisen, vielmehr auch knapp gewandete, sonnenhungrige Frauen aus dem Norden an die Strände.

Errol Flynn in Palma

Flynn kehrt bevorzugt bei „Joe´s“ an der Plaza Gomila und Rudi´s „Tirol“ auf der Calle de Apuntadores ein. Die Gelage sind legendär.

Heute vor 61 Jahren: Errol Flynn ist im September 1955 zurück auf seiner „ZACA“. Der 118 Fuß Schooner liegt seit 1952 im RCNP (Real Club Nautico de Palma). Der einst erfolgreiche Leinwandpirat und Robin Hood ist bereits ein sinkender Stern am Hollywoodfirmament. Er zieht sich zwischen Filmproduktionen bevorzugt auf seine Yacht in Palmas Bucht zurück. Die U.S.A. meidet er nicht zuletzt wegen ausstehenden Steuerschulden. Sein Vermögen wird von Buchhaltern veruntreut und seine Ehe mit Patricia Wymore liegt in Scherben. Die Leinwanderfolge der 30er und 40er gelangen jetzt in die spanischen Kinos und bescheren Flynn einen verspäteten Ruhm auf der Iberischen Halbinsel. Flynn kehrt bevorzugt bei „Joe´s“ an der Plaza Gomila und Rudi´s „Tirol“ auf der Calle de Apuntadores ein. Die Gelage sind legendär. Das Image des Lebemanns und Frauenhelden blendet seine anderen Facetten aus: Flynn begibt sich bereits 1937 in das Bürgerkriegsspanien und kommentiert das Geschehen auf Seite der Republikaner. Sein Faible für Freiheitskämpfer stellt er 1958, sehr zum Missfallen Hollywoods, wieder unter Beweis: Flynn produziert „The Cuban Story: The Truth about Fidel Castro´s Revolution“. Ein bis heute einzigartiges Dokument der Umwälzungen auf Kuba.

foto.ErrolFlynn
Sein Tagebucheintrag vom 8. Oktober 1955, Palma de Mallorca:
„(…) Favourite occupation: A prolonged bout in the bedroom.
The greatest calamity: Castration. 
What would I like to be at seventy? At seventy I confidently hope I will have had at least eight more wifes, have grown a stomach that I can regard with respect, and still walk upstairs to the bedroom without aching or groaning.“


Am 14. Oktober 1959, bei Verhandlungen zum Verkauf seiner geliebten „ZACA“ in Vancouver, erliegt Errol Flynn mit 50 Jahren einem Herzinfarkt.