Roscón de Reyes – der hat es in sich

IMG_7247Heute, am 6. Januar, feiern die Spanier den Dreikönigstag. Die Könige sind einen Tag zuvor in die Städte gereist und haben allerlei Geschenke für die Kinder mitgebracht. In den Bäckereien der Stadt laufen derweil die Öfen auf Hochtouren, denn ein weiterer Brauch ist der roscón de Reyes. 

Ein roscón ist ein süsser Kranzkuchen, ähnlich dem deutschen Neujahrskranz.

Es gibt ihn entweder lisa, also einfach, oder gefüllt mit leckerer Vanillecreme, Schokolade oder Turrón (typische spanische Süssspeise aus Mandeln, Zucker, Honig und Ei). Das besondere am roscón de Reyes ist, dass man ihn mit einer Krone aus Papier erhält. Im Kranz selbst ist eine kleine Königsfigur aus Porzellan (je nach Bäckerei, manchmal auch ein Bonbon) eingebacken. Wenn der Kranzkuchen in Stücke geschnitten und verzehrt wird, bekommt jemand aus der Familie das Stück mit dem König darin. Derjenige, der den König in seinem Kuchen findet, darf sich die Krone aufsetzen und ist den Rest des Tages der rey oder die reina – der König oder die Königin.

Damit jeder für das nächste Jahr gut vorbereitet ist, hier ein kleine Liste mit nützlichen Vokabeln zu den Feierlichkeiten der Reyes Magos:

Reyes Magos Heilige Drei Könige

el rey, la reina der König, die Königin 

la cabalgata de Reyes der Dreikönigsumzug 

el regalo das Geschenk

el roscón der Kranzkuchen

lisa (auch oft: Ensaimada lisa)  einfach, ohne Füllung, oder nur Puderzucker

crema Creme 

la corona die Krone

el festivo der Feiertag

¡Felices Fiestas! Frohe Feiertage! 

Kultur und Bräuche – Los Reyes Magos

Palma erreichen die Reyes über den Seeweg und werden dann feierlich durch die Stadt geleitet.

Die Heiligen Drei Könige. In Spanien ein Feiertag und DER Tag für Kinder und Familien. Ohne an dieser Stelle weiter auf christliche Hintergründe eingehen zu wollen, widmen wir uns der Frage: Was passiert an diesem Tag, welche Bräuche gibt es?

Am 6. Januar gibt es die Geschenke, die sich die spanischen Kinder schon die ganze Weihnachtszeit über sehnlichst erhoffen. Überbracht von den Heiligen Drei Königen. Am Abend des 5. Dezember kommen die Könige von weit her in die Städte gereist. Melchor, Gaspar y Baltasar. Palma erreichen sie über den Seeweg und legen gegen 18:00 Uhr mit ihrem Schiff an der Mole an. Von dort aus werden sie feierlich von einer Parade aus bunt geschmückten Wagen, fremdländischer Musik und Tänzern, auf ihren Thronen durch die Stadt geleitet. Sie werfen Bonbons von Endesa, El Corte Inglés, Bankia und Mapfre. In der Nacht bringen sie den Kindern der Stadt ihre Geschenke. Die Eltern bereiten einen Teller mit Plätzchen, einem Glas Schnaps oder Milch vor und am nächsten Morgen können die Gläubigen feststellen, dass von den Plätzchen gegessen und von dem Schnaps getrunken worden ist. Und mit ein wenig Glück haben die Könige Weihrauch und Myrrhe in anderen Häusern gelassen und im eigenen entweder das Gold oder das gewünschte Geschenk.

Die Parade in Palma ist allemal einen Besuch wert! Und man merkt: Es ist Tradition und die Menschen genießen es. Die Wagen und Mitwirkenden waren wunderschön anzusehen und sehr liebevoll vorbereitet. Wer die Altstadt Palmas kennt und dort ab und an die Straßen durchschlendert, dem ist eine ältere Dame wohlbekannt, die ihren Operngesang mit Vorbeigehenden teilt. Auch Sie saß auf hohem Thron und begleitete die Reyes mit ihrem Gesang durch die Stadt.

Mit welchen Traditionen es am morgigen 6.01. weitergeht – morgen auf kulturblogmallorca.com

La Seu – ein paar Worte

Ein Mann erhofft sich die Spende eines Anlagebetrügers, dessen Augen funkeln, wofür der normalerweise Eintritt bezahlt.

Als kurzer Beweis dafür, dass wir tatsächlich in der Kathedrale gewesen sind.

Ein Mann sitzt vor der Tür, wünscht Frohe Weihnachten und erhofft sich durch erwärmte Herzensstimmung eine kleine Spende. Ein betörendes Lichtermeer verzaubert ungewollt das eigene Gemüt. Es funkelt, strahlt und glänzt, dass es sich in den Augen aller Anwesenden widerspiegelt. Unvermittelt lächeln die Menschen fremden, schimmernden Augenpaaren zu. Den millionenschweren Anlagebetrüger findet man Kaugummi schnalzend mit aufgehübschter Familie in der hinteren Ecke. Kinder tanzen ausgelassen im Kreis, angesteckt von magischen Klängen und Gerüchen. Die Reihen sind voll besetzt mit ihren Familien. Heute sind sie eingeladen. An anderen Tagen zahlen sie Eintritt.

Wie es eben so ist, mit den zwei Seiten…

Frohe und lebendige Weihnachten!

Als kleiner Gedankenanstoß zum Weihnachtsfest: Pinie statt Nordmanntanne, ausgegraben statt abgeschlagen. Vielen Dank für dieses Weihnachtsbaumfoto von unseren lieben Freunden. Nach Weihnachten steht der Baum wieder im Garten. Das finde ich klasse und glaube, dass man immer eine Alternative zum herkömmlichen Tannenbaum finden kann, der nach wenigen Tagen entsorgt werden muss.

Ich wünsche allen ein Frohes Weihnachtsfest!

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Weihnachten und die Religiosität

Vielleicht besitzt nur die Kirche noch die Macht, die Menschen an das Erntedankfest zu erinnern und nicht an den Black Friday. 

„Geht ihr an Weihnachten in die Kirche?“ Hört man häufig. Und man fragt sich:

Hat Weihnachen überhaupt noch etwas mit Kirche oder Glauben zu tun? Und ist es schlimm, wenn nicht?

Wir sind in unserer Familie nicht religiös, unser Kind ist nicht getauft und dennoch legen wir Wert auf die kommenden Feiertage, auf Traditionen und Rituale. Aber gehört die Kirche auch dazu?

Eine Bekannte meinte zuletzt: „Aber ohne Religion und Kirche – Was? Dann sind wir doch alle Egoisten und leer… .“ Vielleicht ist es letztlich wirklich die Kirche, die es geschafft hat, diese Traditionen überhaupt zu schaffen und ist bis heute der wichtigste gesellschaftliche Faktor für Gemeinsamkeit. Immerhin gibt es kaum einen ruhigeren Ort als eine Kirche oder andere Gotteshäuser. Aller Lärm, alle Schnelligkeit bleibt draussen. Ein Ort zum Innehalten, zum Singen, zum Begegnen von Freunden und Nachbarn. Es stimmt schon, das kann uns die Kirche geben. Und vielleicht besitzt auch nur sie noch die Macht, die Menschen an das Erntedankfest zu erinnern und nicht an den Black Friday.

Aber gehe ich deswegen an Weihnachten nun in die Kirche? Meine Freundin und ich haben vor Kurzem den Heiligen Abend geplant und stellten fest: „Ach, die Messe wäre ja ganz schön zu sehen, auch mit den Kindern, aber es passt zeitlich einfach gar nicht. Dann wird es zu eng mit der Bescherung und das ist ja schliesslich wichtiger.“ Über uns selbst amüsiert witzelten wir dann: “ Naja, wir setzen eben die Prioritäten richtig und bringen unseren Kindern von Anfang an bei, was WIRKLICH wichtig ist.“

Danach habe ich mir überlegt: Wir versuchen es, wir gehen zur Weihnachtsmesse in die Kathedrale! Und ich freue mich, wenn wir befreundete Familien treffen, zusammen singen, die Kinder zusammen spielen und wir uns gegenseitig ein Frohes Weihnachtsfest wünschen können.

Notfalls gehen wir einfach früher und haben dann noch Zeit für die Bescherung 😉

BON NADAL

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