Es Vellmarí – Die Mönchsrobbe

Das Ende der Piraterie im 19. Jahrhundert läutet auch das Ende der mallorquinischen Robbenkolonien ein. Der Fischfang wird zu einem florierenden Wirtschaftszweig.

Im April vor 60 Jahren: in der Cala Tuent wird die wahrscheinlich letzte Mönchsrobbe Mallorcas (Monachus monachus) von der Guardia Civil erlegt. Die seegängigen Säugetiere bevölkern einst die gesamten kontinentalen Küsten und Inseln des Mittelmeeres als Bestandteil eines ausgewogenen Ökosystems. Dieses Gleichgewicht kippt mit der räumlichen Ausbreitung eines weiteren Raubtieres: dem Menschen. Bereits Homer, Plutarch und Aristoteles erwähnen die Robbe in ihren antiken Schriften. Fell, Fett und Fleisch sind sehr begehrt und das Tier ist aufgrund seines zutraulichen Wesens leicht zu erlegen. Der Untergang des römischen Reiches im 5. Jahrhundert wendet zunächst ihre frühe Vernichtung im westlichen Mittelmeer ab. An Mallorcas Küsten schrecken Pirateneinfälle über Jahrhunderte die menschliche Besiedlung ab. Die Robben hingegen nutzen diese Küsten ungestört als natürliche Brutplätze und ihre Kolonien gedeihen. Das Ende der Piraterie im 19. Jahrhundert läutet auch das Ende der mallorquinischen Robbenkolonien ein. Fischer besiedeln vermehrt die Küsten und der Fischfang wird zu einem florierenden Wirtschaftszweig. Dabei wird die, ausschliesslich Fisch und Mollusken fressende, Mönchsrobbe ein erbitterter Feind der Fischer: sie entwendet den leichten Fang und zerreisst dabei die Fischernetze. Die Menschen in jener Zeit begreifen die Robbe als Plage, die es auszurotten gilt. Erzherzog Ludwig Salvator beschreibt 1870 ihre Nachstellung durch die Insulaner:

„Befassen wir uns mit der Robbenjagd. Normalerweise trifft man zwei, vier oder fünf Mönchsrobben, die eine ganz Zeit im Wasser schwimmen und spielen, bis eine von ihnen auf den Strand robbt, in diesem Moment feuert der Jäger. Manchmal stirbt das Tier auf der Stelle, zuweilen jedoch kann es sich ins Meer retten; der Jäger muß daher darauf vorbereitet sein und den Eingang zur Höhle mit einem festen Netz verschließen (…) die Robbe erhebt ihren Körper aus dem Wasser und in diesem Moment schießt der Jäger erneut auf sie (…). Auch fängt man die Mönchsrobbe mit einem kräftigen Haken, der an einem widerstandsfähigen Strick befestigt ist.“

An der nordafrikanischen Küste und in der griechischen Ägäis überdauern bis heute noch einige Kolonien. Auf den Balearen zählt der „Vellmarí“ zu den ausgestorbenen Arten.

Alle Mönchsrobben…? Im Jahr 2008 sichtet ein Taucher ein Exemplar bei El Toro im Südwesten Mallorcas. Allerdings nehmen die Meeresbiologen an, dass es sich um einen eingewanderten afrikanischen Artgenossen handelt.

Autor: gregory cyril

"Die Unschuld muss immer leiden, sagt der Teufel." aus Peer Gynt von Henrik Ibsen

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